Wie alles begann…

Vor einigen Wochen bin ich von Hamburg in meine Heimatstadt Berlin zurückgekehrt. Schmerzen im Unterleib sowie Krankheit und die mir bevorstehende Diagnose „Endometriose“ sind mir noch unbekannt. Endlich wieder Single – Es geht mir gut. Geht es mir das wirklich? Ich esse Tag für Tag bis zu 4.000 Kalorien: Pizza, Ben & Jerry´s, Chips – alles was irgendwie ungesund ist – einfach, weil ich es kann und nun allein wohne. Doch ich will nicht zunehmen und versuche meinen Kalorienüberfluss mit Sport „auszugleichen“.

Tag für Tag zwinge ich mich zum Krafttraining, nach meiner Ausbildung. Gehe meist erst um 22 Uhr oder sogar später, weil ich mich nicht überwinden kann – denn ich habe keine Lust. Es ist wie ein Zwang. ICH MUSS – sonst nehme ich zu. Ich trainiere mit zu viel Gewicht und generell viel zu viel. 2-4-mal die Woche stehen 20-Kilometerläufe an und ich verbringe meine Zeit im Fitnessstudio, bis ich an die 2.000 Kcal verbrenne.

Durch den Sport werde ich muskulöser, breiter und durch das Essen nehme ich einfach nur zu. Ich fühle mich nicht wohl in meinem Körper – obwohl ich so viel Sport mache – und lasse ihn das auch spüren. Familie und Freunde merken nicht was los ist. Nach außen hin, bin ich glücklich und zeige mich stark. Sobald ich allein bin – falle ich zurück in mein Fast-Food-Fitness-Muster – esse, um glücklich zu sein.

So ging das drei Jahre lang. Es gab immer Mal wieder Zeiten, in denen ich „gesund“ gegessen habe, mir Meal-Preps gemacht habe und als Belohnung dann DEN großen Cheatday in der Woche hatte. An diesem großen angepriesenen Tag ging es mir einfach nur sauschlecht. Hatte Bauchschmerzen, mir war schlecht, ich musste mich hinlegen und ich war einfach nur hundemüde. Am darauffolgenden Tag, bekam ich kaum Luft.

In der ganzen Zeit nahm ich 20 Kilo zu, und das meiste schon in wenigen Monaten. Meine Haut war fettig, ich bekam viele Pickel im Gesicht und sah einfach nur aufgebläht aus. Derzeit war mir nicht bewusst, dass mein Verhalten nicht normal war. Im Gegenteil -ich habe gedatet, ging auf viele Partys, war für jeden Spaß zu haben und war gut drauf. Rückblickend erkenne ich: wie ich meinen Körper behandelt habe, hatte viel mit fehlender Selbstliebe zu tun.

Themen wie Meditieren, Yoga oder Podcasts zum Thema Selbstfindung/Selbstliebe? – habe ich keine Chance gegeben – warum auch? – das Leben war so viel spannender als solch einem „Gelaber“ zuzuhören – oder nicht?

Warum ich Dir das alles erzähle? Dazu komme ich noch – nur Geduld.

Mit den Bauchschmerzen am Cheatday und dem generellen Unwohlsein mit einem ständigen Blähbauch fing es also an. Dann die ersten Krämpfe. Im Unterleib – ich war gerade mit einer Freundin joggen gewesen als ich stehen bleiben musste. Ich krümmte mich zusammen – der Schmerz war kaum auszuhalten, wie ein Stich in den Unterleib – machte mir Angst. Plötzlich ging es wieder und wir rannten nach kurzem Zögern weiter. Die Glorreiche Idee war es dann von mir, mir mit Anfang 20 die Kupferspirale einsetzen zu lassen. Eine schlechte Idee – wie sich nach nur 4 Monaten herausstellte.

Was sind das für Schmerzen im Unterleib?

Dann das erste Mal: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Die einzige Veränderung in meinem Leben, so dachte ich, war die Spirale, die so schmerzhaft eingesetzt wurde. Nachdem die Spirale draußen war, waren es, der ständig gefüllte Darm sowie die toxische Affäre, in der ich über ein Jahr steckte. Also auch ein wenig meine Psyche.

Diese Selbstdiagnose passte den Ärzten gut. Denn als die Schmerzen im Unterleib schlimmer wurden, ging ich zu meiner Gynäkologin, die mich untersuchte – mich quasi direkt wieder nach Hause schickte, ohne Diagnose und mit der Aussage, dass dort unten alles „prima“ aussehe. Kurze Zeit später stand ich dann bei meiner Hausärztin auf der Matte: „Hallo, ich habe sehr dolle Bauchschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, bla, bla, bla…“ Die Diagnose: „Dein gewählter Beruf ist sehr stressig und es ist wahrscheinlich eher was psychisches – ich kann Dich krankschreiben.“

Immer mehr wuchs dieser Gedanke in meinem Kopf: „Das ist nur psychisch und wird bald wieder weggehen“… Ging es aber nicht. Eines Tages fuhr ich dann, mit großen Schmerzen im Unterleib, mit meiner Mutter gemeinsam in die Notaufnahme. Die Ärztin und meine Mutter waren sich einer Meinung: „Du hast bestimmt Deine Bauchmuskulatur zu viel beansprucht, Du trainierst ja so viel – da ist nichts.“

Zu den Schmerzen im Unterleib und dem Unwohlsein, bekam ich Schmerzen im unteren Rücken – kaum auszuhalten. Meine Leiste und Hüfte verhielten sich zudem ungewohnt komisch, bei Ausführungen von Kniebeugen und weiteren Beinübungen. Nach einem Arztbesuch wurde mir dann zweimal Physiotherapie verschrieben. Es wurde kaum besser und mittlerweile konnte ich auch kaum noch trainieren – vor Einschränkungen durch Schmerzen im Unterleib, Rücken und Leistenbereich.

Neue Physio – neues Glück

Wieder ein Jahr vergangen, wieder Physio verschrieben bekommen – nichts hat sich geändert. Zumindest noch nicht. Dass die Schmerzen im Unterleib, mein Unwohlsein und meine Rückenschmerzen miteinander in Verbindung stehen könnten? Nein, darüber habe ich mir gar nicht erst Gedanken gemacht.

Für die Physiotherapie bekam ich eine neue Therapeutin zugeschrieben Ich war mit meinem alten zufrieden, nur dieser hatte zu der Zeit lediglich keine Verfügbarkeiten – mein Glück! – wie sich herausstellte. Nach mehreren Behandlungen und verschiedenen Ganzkörper-Stretchübungen – hatte ich das Gefühl einer leichten Besserung in meinem Rücken. Sie arbeitete mit so genannten Trigger-Punkten und stellte Verhärtungen in meinem Bauch fest.

Die Diagnose ihrerseits war ganz klar: „Die Rückenschmerzen haben den Ursprung im Bauch“ In unserer letzten Behandlung forderte sie mich auf, alles aufzuzählen, was mir am Körper wehtut und mir zu schaffen macht – also erzählte ich ihr von meinen Schmerzen und Krämpfen im Unterleib und auch von den Schmerzen beim Geschlechtsverkehr – war etwas unangenehm (und nun erzähle ich es sogar Dir).

Letztendlich war es meine Physiotherapeutin, die mich ernst genommen hat. Die den Schmerz lokalisieren konnte. Die mir sagte ich soll mich auf die Krankheit Endometriose untersuchen lassen.

Nach vieler Eigenrecherche und einem hin und her ging ich dann wieder zu meiner Gynäkologin und erkundigte mich nach einer erneuten Untersuchung (die letzte Diagnose ihrerseits war knapp 2 Jahre her), ob es denn „diese“ Endometriose sein könnte. „Nein- das würde man sehen – mach Dir mal keinen Kopf“

„Mach Dir keinen Kopf“

Zum Glück bin ich so ein Sturkopf und habe weiterrecherchiert. Und die Zweifel die ich noch hatte, verblassten ziemlich schnell. Wörter, wie:

"Unterleib Krämpfe" "Unwohlsein" "Schmerzen beim Geschlechtsverkehr" "Schilddrüsen Unterfunktion" "Krampfschübe" "aufgeblähter Bauch" "Reizdarm" "Viele Unverträglichkeiten" "ständige Schmerzen im Unterleib" "Müdigkeit" "Jede 7. Frau betroffen"

, waren einfach zu eindeutig. Ach so, genau: eine Schilddrüsen Unterfunktion wurde bei mir ebenfalls vor einigen Jahren diagnostiziert. An Intoleranzen leide ich auch. Hatte mit 21 Jahren sogar eine Magen-Darmspiegelung, weil ich selbst durch Ausprobieren und Weglassen von verschiedenen Nahrungsmitteln meine genauen Intoleranzen nicht feststellen konnte. Hier hieß es aber auch, es sei alles in Ordnung. Die einzige Intoleranz, die bei mir seit Kindheitstagen diagnostiziert ist, ist die Laktoseintoleranz.

Ich weiß nicht mehr wann aber irgendwann wurden Blähbauch, Unwohlsein und Bauchschmerzen zur Normalität . Die Milchprodukte wegzulassen hat dabei nicht viel geholfen.

Die Diagnose


Woher kommen nun die Schmerzen im Unterleib?

Im Juni habe ich den Schritt gewagt und mir einen Termin bei einem Experten für Endometriose geben lassen. Für die erste Sprechstunde ist eine Selbstbeteiligungsgebühr in Höhe von 100€ angefallen. Hätte ich diese zahlen müssen? – Nein! Meine Gynäkologin hätte mir lediglich eine Überweisung geben müssen – die sie und auch mich nichts gekostet hätte.

Nun wartete ich im Wartezimmer der Praxis, mit noch weiteren Patientinnen. Aufgrund eines technischen Defekts zog sich die Wartezeit bis zu 4 Stunden hin und man fing das eine oder andere Gespräch mit den Wartenden an. Bei vielen von ihnen, wie ich dabei erfuhr, wurde Endometriose diagnostiziert und einige kamen von weit her angereist um sich von diesem Arzt behandeln zu lassen.

Endlich wurde ich aufgerufen. Nach einem kurzen persönlichen Gespräch kam dann auch schon die Gynäkologische Untersuchung. Schnell äußerte der Doktor den Verdacht auf Endometriose. Kurz darauf hatte ich auch schon den OP-Termin, bei dieser sollte dann auch untersucht werden ob ich schwanger werden kann. Um sicherzugehen, dass meine Organe, nach dem Eingriff in den Körper, nicht miteinander verwachsen, wurde mir Empfohlen ein Gel zu zahlen, das dies verhindern sollte. Klar – wer trifft solche Vorkehrungen nicht, wenn einem dazu geraten wird.

Insgesamt sind für die Anamnese und OP knapp 300€ Selbstbeteiligung angefallen. Dreihundert Euro, die nicht von der Krankenkasse bezahlt wurden, weil die Krankheit noch nicht richtig erforscht und auch nicht richtig anerkannt ist. 300 Euro, die sich nicht jede Patientin mal eben leisten kann.

Dann kam der große Tag:

Die OP. Meine erste OP – dementsprechend aufregend war es für mich und meine Familie. Es ging alles ganz schnell und ohne Komplikationen bin ich dann auch schon wieder im Aufwachraum erwacht.

Die Reise bis hierhin, war bereits ein auf und ab der Gefühle für mich. Das, was dann kam, war allerdings noch viel schlimmer.

Der Arzt, welcher mich operiert hatte – der gleiche mit dem ich die Erstanamnese hatte – berichtete mir (ich noch halb benommen, aber relativ klar im Kopf) von dem Eingriff. Er habe etwas entfernt, was sehr nach einem Endometriose-Herd aussah und ist sich ziemlich sicher darin, dass ich vorerst keine Schmerzen mehr haben werde. Und dann gab es noch die positive Nachricht, dass ich fruchtbar sei. Meine Gefühle explodierten fast vor Freude und Hoffnung.

Einen Tag nach meiner OP bekam ich diese Nachricht noch einmal bestätigt, mit der zusätzlichen Info, dass weitere Gewebeproben von der Gebärmutter genommen wurden – reine Vorkehrungsmaßnahmen.

15. Juli – Eine Woche nach meiner OP

Die Laborergebnisse waren da. Das entnommene Teilchen wurde untersucht – keine Endometriose.
„Aber der Doktor hat Ihnen ja schon letzte Woche mitgeteilt, dass Ihre Gebärmutter einen starken Befall von Endometriose hat“.

What?! – Nein. Mir wurde gesagt ich werde vermutlich keine Schmerzen mehr haben. Nun war die Diagnose: Schmerzen bleiben. Ernährung umstellen. Durchgehende Anti-Babypille nehmen. Kein Exzessiven Sport treiben – Ein Schlag ins Gesicht. Meine Freude und Hoffnung sind mit Höchstgeschwindigkeit in den Keller gefallen. In diesem Augenblick ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Einen Psychologen konnten sie mir auf Nachfrage nicht empfehlen.

Ich stand nun ganz allein da. Mit einer riesigen Liste an Lebensmitteln, die ich nicht essen durfte, einem Rezept für die durchgehende Pille, die laut der Ärztin viele Frauen psychisch nicht gut vertragen und der Gewissheit, dass die Schmerzen im Unterleib ein wenig eingedämmt werden können aber nicht weggehen werden. Ich bekam keine Unterstützung von den Ärzten und musste nun alleine sehen wie ich mit der Diagnose und den Informationen umgehe.

Die Symptome, welche ich genannt habe, erkennst Du wieder, oder nur einen Teil davon? Dann bitte ich Dich, gehe zu einem Experten und lasse Dich auf Endometriose untersuchen.