Ernährungsumstellung

Du erwartest jetzt wahrscheinlich, dass ich schreibe wie schwer mir die Ernährungsumstellung nach meiner Diagnose gefallen ist – doch dem war tatsächlich nicht so. Zumindest nicht am Anfang …

Die ersten 14 Tage (Sommer)

Ich war höchst motiviert, alles dafür zu tun, dass sich die Krankheit Adenomyose nicht weiter in meinem Körper ausbreitet, also kaufte ich Lebensmittel ohne Zusatzstoffe und frei von (Industrie-) Zucker, Laktose, Gluten und Histamin ein. Bei Obst und Gemüse achtete ich auf Regionale und Bio Produkte und online, meist bei Koro, bestellte ich allmögliche Maxi-Packages an Kokosmehl, Mandelmehl, Kokoszucker, Chiasamen, Datteln und Co.

Ich stand so ziemlich den ganzen Tag in der Küche, denn ob Brot, Süßigkeiten oder eine alternative Tomatensoße – Rücksicht auf die Intoleranzen und zusatzstofffreie Lebensmittel zu nehmen bedeutet: Kochen, kochen, kochen! Am Abend noch schnell das Mittagessen für den nächsten Tag vorbereiten, am nächsten Morgen dann das Frühstück, auf zur Arbeit und dann das gleiche von vorn.

Nach diesen zwei Wochen…

…fühlte ich mich wie ein neuer Mensch: mir ging es das erste Mal in meinem Leben richtig gut! Ich hatte keine Bauchschmerzen, keinen Blähbauch, einen guten Stoffwechsel und war mir zu 100% sicher, dass das mein zukünftiger Weg sein wird – was auch bedeutete: kein Fast Food, kein Alkohol, keine zukünftigen Restaurantbesuche und nur Freundesbesuche mit selbst mitgebrachtem Essen.

Ich fing ich an, einzelne Produkte, die unterschiedlich verträglich bei einer Histaminintoleranz sein sollen, auf ihre Verträglichkeit zu testen. Nehmen wir das Beispiel Zitrone: ich ernährte mich exakt wie in den vergangenen zwei Wochen, nur mischte ab und an ein wenig Zitrone in mein Essen. Schon am ersten Tag merkte ich, wie sich mein Unterleib wieder verhärtete und ich einen dicken Bauch bekam. Also hieß das für mich: ein weiterer Verzicht.

Bis auf kleinere Ausnahmen im Urlaub schaffte ich es mich nach meinem Ernährungsplan zu richten und fühlte mich die nächsten 4 Monate so gut wie schon lange nicht mehr.

Dann kam die dunkle Jahreszeit

Solang ich meinen Sommer-Rhythmus (morgens vor der Arbeit eine große Runde spazieren, kochen und dann in den Tag starten) beibehalten konnte funktionierte mein Healthy-Lifestyle grandios. Als es dann aber morgens zu dunkel war, um vor der Arbeit spazieren zu gehen, viel Stress auf Arbeit dazukam, die Tage immer kürzer wurden und ich die Wärme auf der Haut nicht mehr spüren konnte, wurde ich immer unmotivierter und Suchte meinen Trost in Fast Food und in alldem was ich mir in den letzten Monaten verboten hatte. Dementsprechend ging es mir wieder schlechter, ich bekam Magenkrämpfe und hatte wiederum das Bedürfnis meinen Frust im ungesunden Essen zu versenken. So ging es bis hin ins Frühjahr – ich kam aus dem Teufelskreis einfach nicht heraus und wollte es irgendwie auch gar nicht – lieber im Selbstmitleid versinken.

Aufgrund der Magen-Darm Schmerzen bekam ich vom Arzt eine Darmspiegelung verschrieben, bei der auch gleich Blutproben zum Prüfen der Histamin- und Glutenintoleranz genommen wurden. Hierbei ist erwähnenswert, dass eine Histaminintoleranz nicht zu 100% festgestellt werden kann, da die Werte, sehr schwankend sein können.

Noch mal zur Info: mein Gynäkologe sagte mir damals, dass die Laktose-, Gluten- und Histaminintoleranzen mit der Endometriose einhergehen und ich darauf verzichten sollte, damit es mir mit meinen Schmerzen besser geht und sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet.)

Als das Ergebnis kam, wurde ich mal wieder eines Besseren belehrt:
Histaminintoleranz = negativ
Zöliakie = negativ

Habe ich meine Ernährung ganz umsonst umgestellt?

Nein! Dank denke ich nicht. Auch wenn ich nun wieder am Anfang stehe und nicht weiß, weshalb mein Körper auf manche Nahrungsmittel so heftig anspringt (und nein – es sind nicht nur ein paar, sondern sehr sehr viele, wodurch es mir unmöglich erscheint herauszufinden, was ich genau nicht vertrage), werde ich meinen Ernährungsplan wieder aufnehmen. Denn ich habe für mich selbst herausgefunden, dass es mir damit einfach gut geht.

Allerdings werde ich zukünftig auch einiges anders machen. Ich neige schnell dazu immer das Extreme zu suchen (extrem gesund) – und das kommt dann als Jo-Jo-Effekt (extrem ungesund) zurück. Ich werde mich zwar wieder nach dem Ernährungsplan richten und viele von meinen Gerichten kochen, doch ich werde auch einige Ausnahmen machen und auch einfach mal essen worauf ich Lust habe. Auch wenn es mir so nicht 100 % gut geht, falle ich mit diesem Weg (hoffentlich) nicht wieder in das Loch voller schlechter Ernährung, Frustration und Schmerzen.

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